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Spielend Leben lernen

- Unser Konzept -

Der Moabiter Kinder-Hof ist ein pädagogisch betreuter Abenteuer- und Bauspielplatz, dessen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 1997 Kindern im innerstädtischen Wohnumfeld vielfältige

Spiel- und Lernaktivitäten anbieten. Der Moabiter Kinder-Hof wurde gegründet, um

den Kindern im Stadtteil ein möglichst breites Spektrum an unterschiedlichen direkt erlebten

Erfahrungen zu ermöglichen.

 

Vier Elemente

Auch in der heutigen hochtechnisierten Welt sollte jedes Kind Gelegenheit haben, mit den

vier ursprünglichen Elementen unmittelbar umzugehen. Orte, an denen das in der Großstadt

möglich ist, sind die Abenteuer- und Bauspielplätze.

Feuer ist seit je her das faszinierendste Element. Es spricht die Urinstinkte und Urängste des

Menschen an. Wo ist es Kindern heute noch erlaubt, Feuer zu machen? Wo können sie

angeleitet und beaufsichtigt eigene Erfahrungen mit der mächtigen Urgewalt gewinnen?

Jedes Kind sollte lernen, mit Feuer verantwortungsbewusst, respektvoll und ohne Angst

umzugehen. Auf dem Moabiter Kinderhof entfachen die pädagogischen Betreuerinnen und

Betreuer regelmäßig mit den Kindern Lagerfeuer. Bei der Glasperlenherstellung können

Kinder das Feuer unter fachgerechter Anleitung zur kunsthandwerklichen Gestaltung nutzen.

Wasser verleitet fast jedes Kind zum Spielen. Während auf den herkömmlichen Spielplätzen

meist kein Wasser vorhanden ist, können die Kinder auf dem Moabiter Kinderhof in

vielfältiger Weise mit Wasser umgehen. Wasser kann zum Matschen und Bauen mit Sand

und Lehm verwendet werden. Die Kräuter und Blumen auf den Beeten brauchen Wasser

zum Wachsen. Wenn es im Sommer besonders heiß ist, verwandelt sich der Gartenschlauch

in eine angenehm kühle Dusche. An einem kleinen Teich können die Kinder Tiere und

Pflanzen im Lebensraum Wasser beobachten.

Erde ist wohl das vielgestaltigste Element. Das können die Kinder erfahren, wenn sie Löcher

für die Eckpfosten einer Hütte graben. Große Steine und Ziegelbruchstücke stellen sich dem

Spaten in den Weg und müssen ausgegraben werden. Wo kommen die bloß her? Sand

eignet sich zum Bauen gar nicht so gut wie Lehm. Für die Pflanzenbeete und für

Blumentöpfe wird schwarze Erde vom Kompost verwendet. Beim Graben in der Erde finden

die Kinder manchmal Regenwürmer, Tausendfüßler oder Käferlarven.

Luft bleibt oft unbemerkt und unbeachtet. Erst wenn der Wind beim Federballspiel oder

Tischtennis stört, wird er wahrgenommen. Draußen, an der frischen Luft zu sein, tut gut nach

einem langen Schultag oder einer langen Sitzung vor dem Fernseher oder dem Computer.

Auf dem Moabiter Kinderhof finden viele Aktivitäten wie Spielen, Essen oder Hausaufgaben

machen, im Freien statt, sobald es das Wetter zulässt. Wind lädt aber auch zum Basteln und

Spielen ein: Die Kinder können in der Werkstatt Drachen und Windräder bauen.

 

Fünf Grundprinzipien

Offene Arbeit – klare Regeln

Offene Arbeit bedeutet zunächst, dass die Angebote grundsätzlich allen Kindern offen

stehen, innerhalb der Öffnungszeiten, ohne Anmeldung, ohne Beitrag. Die Angebote des

Moabiter Kinder-Hofs richten sich an die Altersgruppe der 7 – 13-Jährigen.

Offene Arbeit bedeutet auch, dass die Kinder unter verschiedenen Angeboten auswählen

können oder eigene Ideen dazu, was sie machen wollen, entwickeln. Die Betreuerinnen und

Betreuer unterstützen sie dabei und geben Anregungen und Orientierung. Für die offene

Arbeit ist ferner kennzeichnend, dass der Platz nie fertig ist, dass die Räume und

Außenbereiche ständig nach den Bedürfnissen und Erfordernissen der Kinder umgestaltet

werden. Dabei werden ihre Interessen und Vorschläge bestmöglich berücksichtigt.

Offene Arbeit beinhaltet auch verbindliche Regeln und Strukturen. Die wichtigsten Regeln

sind die Gewaltfreiheit, der respektvolle Umgang miteinander sowie mit Tieren, Pflanzen und

Sachen, das Beachten allgemeiner Sicherheitsregeln und das Verbot von Waffen, Rauchen,

Alkohol und Drogen.

Da nicht immer alle Angebote gleichzeitig zur Verfügung stehen können, werden für

regelmäßige Aktivitäten und Projekte bestimmte Termine und Zeiten in einem Wochenplan

festgelegt. Der Wochenplan wird allen Besuchern bekannt gegeben, so dass die Kinder sich

informieren können, wann welche Aktivitäten stattfinden, um zu entscheiden, an welchen

Angeboten sie teilnehmen wollen.

Vielfalt der Angebote

Das Prinzip der Offenheit erfordert und bedingt ein vielfältiges Angebot, damit die

unterschiedlichen Interessen der Kinder berücksichtigt werden können.

Auf dem Moabiter Kinder-Hof stehen ständig handwerkliche, sportliche und kreative

Aktivitäten auf dem Programm. Hinzu kommen gemeinsames Kochen, die Kaninchen und

den Garten versorgen, Glasperlen herstellen, Musik hören, Gesellschaftsspiele spielen,

Hausaufgaben machen, Fahrräder reparieren, Lagerfeuer entfachen oder einfach nur

Freunde treffen und entspannen. Diese Angebote werden ergänzt durch zeitlich begrenzte

Projekte wie z.B. die Kletterwand bemalen, den Hausaufgabenraum gestalten, ein Hörspiel

aufnehmen oder im Bauwagen einen Schönheitssalon einrichten, um nur einige Projekte der

jüngsten Vergangenheit zu nennen. Auch die Umgebung der Einrichtung wird in die

Aktivitäten einbezogen: Geländespiele und Rodeln im angrenzenden Park, Besuche in der

Stadtbücherei, im Internet-Cafe oder in der benachbarten Jugendfreizeiteinrichtung. In den

Ferien werden auch größere Ausflüge unternommen, z.B. zu Ausstellungen oder in Museen,

in ein Freibad oder zur Eisbahn, in die Kiesgrube oder zum Hertha-Training. Um die Vielfalt

der Angebote zu gewährleisten, ist es wichtig, dass die Betreuungspersonen

unterschiedliche Qualifikationen haben. Neben den pädagogischen Fachkräften sollen

handwerkliche, musische, künstlerische, sportliche u.a. Qualifikationen vertreten sein.

Ausflüge, 

Backen, Balancieren, 

Basteln, Beete pflegen, Boxsäcke, 

Fahrradausleihe, Fahrradwerkstatt, Federball, Fußballtraining, 

Garten, Glasperlen herstellen, Hausaufgabenhilfe, Jonglieren, Jungentag, Kaninchen versorgen,

Lagerfeuer, Malen, Mädchentag, Schminken, Slackline, Spielen, Tischtennis, Verkleiden, Werken 

u.v.m.

Ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung

Kinder lernen immer und überall. Spielen und Lernen als eine Einheit (ganzheitlich)

anzusehen, ist unser Ansatz.

Auf dem Moabiter Kinder-Hof können die Kinder in der Arbeit in Projekten und bei

gemeinsamen Aktivitäten Fertigkeiten einüben und außerdem Kooperations- und

Gruppenfähigkeit entwickeln. Dazu kommt die Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten in

der Kommunikation mit anderen Kindern und Betreuerinnen und Betreuern.

Es wird der kindlichen Entwicklung nicht gerecht, wenn in der sogenannten Freizeit

schulische Themen völlig ausgeklammert werden. (Im selbstorganisierten Spiel spielen

Kinder oft „Schule“). Durch den ganzheitlichen Ansatz werden die Trennungen von Schule

und Freizeit, von Spielen und Lernen sowie die Abkoppelung der intellektuellen von den

sozialen Leistungen aufgehoben. Der zunehmenden Individualisierung wird entgegengewirkt.

In der Projektarbeit mit Anderen kommen Fähigkeiten zum Tragen, die im normalen

Schulalltag vernachlässigt werden, aber für die Entwicklung der Individuen von elementarer

Bedeutung sind. Die Angebote auf dem Moabiter Kinder-Hof bieten den Kindern die Chance

ihre ganze Persönlichkeit positiv einzubringen, sie bieten Teilnahmemöglichkeiten an der

phantasievollen Gestaltung des unmittelbaren Wohnumfeldes der Kinder, der Moabiter

Kinder-Hof ist Identifikations- und Integrationsort im Kiez. Die pädagogischen Fachkräfte, die

das spielende und handelnde Lernen begleiten, fördern die Kinder in ihrer Selbstständigkeit

und Selbstverantwortlichkeit, jedes Kind soll sich in der und für die Gemeinschaft wertvoll

und geachtet fühlen. So können die Kinder Selbstvertrauen und in der Erprobung ihrer

Fähigkeiten Selbstkompetenz aufbauen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der

Förderung der Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder. Das sind zum einen die kreativen

Ausdrucksmöglichkeiten, die im Basteln, Malen, Werken und Bauen zum Tragen kommen,

zum anderen die verbale Ausdrucksfähigkeit, die zu den Basiskompetenzen in der

Gesellschaft gehört. Zur Entwicklung der Selbstkompetenz gehört auch die bewusste

Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen und mit der eigenen Geschlechterrolle. Die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben den Kindern Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit

verschiedenen Rollenbildern. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei den

unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und dem Aufeinandertreffen traditioneller und

moderner Rollenbilder zu. Dazu ist es wichtig, dass bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

nicht nur beide Geschlechter, sondern auch verschiedene kulturelle Hintergründe vertreten

sind. Eine möglichst große Vielfalt an Bezugspersonen unterschiedlicher Qualifikationen

erweitert für die Kinder die Palette an Menschenbildern und möglichen Rollenvorbildern. Das

Team entwickelt, ausgehend von individuellen und gruppenspezifischen Bedürfnissen,

Angebote und Projekte, die das Aufbrechen traditioneller Rollenmuster fördern. Unterschiede

und Konflikte zwischen den Geschlechtergruppen werden im Team analysiert. Die

Betreuerinnen und Betreuer geben Beispiele und Anregungen für ein emanzipiertes

Rollenverständnis. Gerade Mädchen und Jungen aus Migrantenfamilien bietet dieses

Vorgehen oft neue Erfahrungshorizonte. Methodisch umgesetzt wird das Konzept der

geschlechterbewussten Erziehung unter anderem durch die Durchführung von Mädchen- und

Jungentagen.

Partizipation

Kinder haben ein Recht auf Beteiligung. Sie haben ein Recht darauf, in allen sie betreffenden

Angelegenheiten angemessen beteiligt zu werden. Aus pädagogischer Sicht ist die

Verwirklichung des Rechts auf Partizipation von zentraler Bedeutung: Kinder erleben sich

dann als selbstwirksam und als aktive Gestalter ihrer Umwelt. Damit wird ihnen u.a.

vermittelt, dass ihre Umgebung nicht etwas Gegebenes ist, sondern von Menschen gestaltet

wurde und veränderbar ist. Kinderbeteiligung fördert eine demokratische Grundhaltung und

unterstützt Kinder in ihren sozialen Kompetenzen. Durch die Beteiligung und aktive Mitarbeit

der Kinder im Alltag der Einrichtung lernen sie Verantwortung für sich und andere zu

übernehmen.

Kinder sind die „Experten“ in eigener Sache. Sie sehen die Welt mit anderen Augen als

Erwachsene. Ihr Blickwinkel sollte bei der Planung und Gestaltung ihrer „Umwelt“

berücksichtigt werden. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass dort, wo Kinder

beteiligt werden, häufig besondere Lösungen entwickelt werden, Lösungen, auf die

Erwachsene ohne die Expertenschaft der Kinder nicht gekommen wären.

In diesem Sinne werden die Kinder auf dem Moabiter Kinder-Hof ihrem Alter, ihren

Fähigkeiten und ihrer Entwicklung entsprechend an der Planung von Projekten und

Veranstaltungen beteiligt. Sie können auf die inhaltliche und thematische Gestaltung der

Angebote Einfluss nehmen. Die Kinder werden bei der Umsetzung eigener Ideen unterstützt.

Überschaubare Vorhaben werden Kindergruppen zur selbstständigen Realisierung

übertragen. Dazu werden in der Regel zwei-wöchentlich Kinder-Konferenzen einberufen.

Gemeinsam werden zukünftige Aktivitäten geplant und Gruppenregeln erarbeitet und

weiterentwickelt.

Gemeinwesenorientierung

Begriffe wie „Verslumung“ und „Perspektivlosigkeit“ prägen mittlerweile den Alltag in einigen

Quartieren in Moabit. Zum Einzugsgebiet des Moabiter Kinder-Hofs gehören die „Zille-

Siedlung“, ein Komplex des sozialen Wohnungsbaus mit 890 Wohnungen und mehrere

Hochhäuser an der Lehrter und der Invalidenstraße.

Vor allem Kinder aus Zuwandererfamilien und Kinder Alleinerziehender leiden unter Armut.

Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind mehrfach ausgegrenzt. Neben dem Mangel

an materiellen Dingen fehlt es oft an familiärer Struktur, Erziehung und Bildung. Kinder aus

armen Familien haben häufiger gesundheitliche Probleme – verursacht durch falsche

Ernährung und Bewegungsmangel. Bei Kindern ausländischer Eltern kommen Integrationsbzw.

Sprachprobleme hinzu. Oft stehen die Kinder zwischen zwei Kulturen, die Identifikation

mit der deutschen Kultur wurde durch Nichtintegration der Eltern erschwert, dadurch erfolgte

teilweise ein übertriebener Rückzug in die Ursprungskultur. Zuwanderer aus ländlichen

Gebieten haben zudem sehr traditionelle Vorstellungen von familiären Werten und Normen.

Gerade in diesen Familien sind die Geschlechterrollen ganz stark festgelegt. Mädchen

haben sehr früh Aufgaben in der Familie und in der Erziehung ihrer Geschwister zu erfüllen.

Für Jungen ist die Ernährerrolle vorgesehen, aber den Familien fehlen die Kenntnisse und

Methoden in der Erziehung um ihre Söhne in der Gesellschaft hier darauf vorzubereiten.

Daraus resultieren Perspektivlosigkeit, Gewaltbereitschaft, Respektlosigkeit und

Jugendkriminalität. Das interkulturell zusammengesetzte Team der Erzieherinnen und

Erzieher auf dem Moabiter Kinderhof versucht alternative Rollenverteilungen aufzuzeigen

und Perspektiven in der Einwanderungsgesellschaft für Mädchen und Jungen zu eröffnen.

Der Moabiter Kinderhof hat sich zu einem pädagogisch betreuten Anlaufpunkt für Kinder, die

in ihrem sozialen Umfeld allzu oft allein gelassen werden, entwickelt. Die pädagogischen

Fachkräfte stehen als erste Anlaufstelle bei Fragen und Problemen der Kinder und oft auch

ihrer Eltern zur Verfügung. Seit 1.1.2008 wird das Team verstärkt durch eine

Sozialpädagogin, die das von der ARD Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ geförderte

Projekt „Vernetze Soziale Arbeit im Stadtteil“ durchführt. Ihr Aufgabenbereich umfasst

sozialpädagogische Einzel- und Gruppenarbeit, Kooperation mit Schulen, Lehrern, Horten,

schulpsychologischem Dienst, Kooperation mit dem regionalen sozialpädagogischen Dienst

(RSD), Beratung von Familien/ Vermittlung von Beratung durch den RSD (Familien- und

Erziehungsberatung) sowie andere Beratungs- und Hilfeangebote.

 

Zielsetzung

Wir bieten Freizeitgestaltung mit kreativem, sozialem und ökologischem Schwerpunkt an.

Wir stellen Möglichkeiten zur Entfaltung sensitiver und motorischer Fähigkeiten zur

     Verfügung.

Wir entwickeln und praktizieren Konzepte zur friedliche Konfliktlösung.

Wir fördern Verständigung in der interkulturellen Auseinandersetzung.

Wir werden Mädchen und Jungen durch eigene pädagogische Ansätze gerecht.

Wir fördern den Erwerb von sozialer Kompetenz und Selbstständigkeit im

      verantwortungsvollen Umgang mit Menschen, Tieren, Pflanzen und Materialien.

Wir liefern einen Beitrag zu einem familienfreundlichen Innenstadtbezirk Berlins.

 

Methoden

Situativer Ansatz

Die pädagogische Arbeit auf dem Moabiter Kinder-Hof richten wir nach dem situativen und

lebensweltbezogenen Ansatz aus. Das bedeutet, dass wir die Bedürfnisse und Wünsche der

Kinder berücksichtigen und darauf unsere Angebote aufbauen. Der Kinderhof soll für die

Kinder Lebens- und Erfahrungsraum sein. Der Grundgedanke dabei ist die ganzheitliche

Erziehung, d.h. die Kinder möglichst in allen Bereichen zu fördern, z.B. in der Motorik, im

psychischen Bereich, im kreativen Bereich, im sozialen Bereich, und Spiel und Lernen als

Einheit aufzufassen.

Die Grundlage unseres pädagogischen Handelns ist die Beobachtung des Kindes. Sie soll

die individuelle Entwicklung des Kindes feststellen. Dadurch haben wir die Möglichkeit zu

erkennen, wo und wie das Kind individuell gefördert werden kann.

Haben wir die Interessen der Kinder erkannt, überlegen wir, was wir davon aufgreifen und

welches Angebot wir dazu machen können. Wichtig ist uns dabei, in wie weit das Thema bei

den Kindern interessant bleibt und welches Kind - welche Kindergruppe- von dem Angebot

angesprochen wird.

Themen finden wir aus der Lebenssituation und dem Umfeld der Kinder. Dazu gehören die

Jahreszeiten mit ihren Festen, aktuelle Ereignisse, Erlebnisse in der Schule usw.

Bei der Planung der Angebote und Aktionen stellen wir unsere Ziele in den Vordergrund und

wie wir sie umsetzen können. Wir überlegen uns, was wir machen wollen, welche Materialien

wir benötigen und welche Räumlichkeiten wir dafür nutzen. Hier ist es uns wichtig die Ideen

der Kinder mit einzubeziehen.

Wir verstehen uns als Partner der Kinder. Wir möchten die Kinder in ihrer Entwicklung

anregen und begleiten. Die Kinder haben das Bedürfnis nach freier Zeiteinteilung, nach

Bewegung und Ruhe, sie haben ein Recht auf Erfahrungsräume, auf Mitsprache und

Mitgestaltung und auf Geheimnisse.

Wir nehmen die Kinder ernst und überprüfen, ob unsere Regeln sinnvoll sind. Wir

akzeptieren ihr Recht auf Nähe und Distanz, ihre Neugier und Lebendigkeit. Wir geben ihnen

Wertschätzung und Zuneigung unabhängig von Leistungen. Wir achten das Recht des

Kindes auf eigene Gefühle und auf die Art sie auszudrücken.

 

Bewegungsförderung und sportorientierte Sozialarbeit

Kinder haben von Natur aus ein großes Bewegungsbedürfnis, das in der innerstädtischen

Umgebung nur unzureichend befriedigt werden kann. Daraus resultiert häufig eine

bewegungsarme Freizeitgestaltung mit Folgeerscheinungen wie Übergewicht,

Konzentrationsstörungen und Unausgeglichenheit. Bewegungs- und sportorientierte

Angebote haben deswegen auf dem Moabiter Kinder-Hof eine zentrale Bedeutung.

Durch attraktive Sport- und Bewegungsangebote (Fußball, Jonglieren, Klettern, Balancieren)

wird die Freude an Bewegung gefördert. Die Bewegungsangebote zielen insbesondere auf

eine Verbesserung der Alltagsmotorik ab, um das Unfall- und Verletzungsrisiko im Alltag und

im späteren Leben zu vermindern. Das Klettern an der Kletterwand und beim Kistenklettern

beispielsweise fördert nicht nur die Motorik, sondern auch das räumliche

Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, in Strukturen zu denken. Sportliche Erfolge

vermitteln den Kindern ein positives Körpergefühl und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

und die eigene Leistung. Mit dem Fußballtraining, das zweimal pro Woche stattfindet, wird

Kindern, die aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeit haben, in einen Sportverein

einzutreten, Gelegenheit zu gezielter Bewegungsförderung und zum Training gegeben.

Durch die Vermittlung von Regeln und die Anleitung zur Fairness und zur Übernahme von

Verantwortung für das Team erhält der Sport auch eine die Sozialkompetenz fördernde

Komponente. Vom sportlichen Wettkampf ausgehend können den Kindern

Handlungsmöglichkeiten der gewaltfreien Auseinandersetzung und Konfliktlösung

erschlossen werden. Darüber hinaus bietet Sport Handlungs- und Erfahrungsräume, in

denen die Kinder Aktivität und Selbstorganisation praktizieren und erproben können.

Die bei den sportlichen Aktivitäten gemachten Erfahrungen aufzuarbeiten und den für die

Entwicklung der Persönlichkeit notwendigen Transfer in das Alltagsverhalten aufzuzeigen, ist

die unverzichtbare Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte auf dem Moabiter Kinder-Hof. Die

im Sport durch die Regeln strukturell angelegten Werte müssen durch pädagogische

Begleitung aktiviert werden, damit sie wirklich die Sozialkompetenz fördern können.

 

Interkulturelle Arbeit

Die heutige Welt ist ohne Interkulturalität nicht denkbar. Im Verlauf der menschlichen

Kulturentwicklung ist das Aufeinandertreffen und der Austausch zwischen Kulturen ein

wesentlicher Vorgang. In einer kulturellen Überschneidungssituation, beispielsweise in einem

Gespräch, treffen „Eigenkultur“ und „Fremdkultur“ aufeinander. Es entsteht dann das

Interkulturelle (das Zwischenkulturelle). Vieles Interkulturelles wurde im Laufe der Zeit in die

jeweiligen Kulturen eingebettet und damit zum Kulturbestandteil. Unterschiedliche Kulturen

sind also nicht so stark voneinander getrennt, dass ein Austausch unmöglich wäre. Es gibt

grundlegende Gemeinsamkeiten zwischen allen Menschen.

In der modernen Kulturanthropologie überwiegt eine diskursive Definition von Kultur, wonach

Normen, Werte und Deutungsmuster von den jeweiligen kulturellen Akteuren in einem

fortwährenden Prozess (Diskurs) immer wieder neu ausgehandelt werden. Eine wesentliche

Bedeutung wird in diesem Konzept der kulturellen Kompetenz beigemessen. Diese

bezeichnet die Fähigkeit, an einem solchen kulturellen Diskurs souverän, d.h.

selbstbestimmt, teilhaben zu können.

Interkulturelle Jugendarbeit agiert in einem mehrfachen Spannungsfeld. Einerseits reagieren

manche Kinder und Jugendliche mit einer betonten Ethnizität auf Diskriminierung und

Ausgrenzung, die teilweise schon ihre Eltern und Großeltern erfahren haben. Andererseits

sind Kinder und Jugendliche natürlich auf der Suche nach ihrer kulturellen Position und oft

probieren sie auch verschiedene Rollen spielerisch aus.

Für viele junge Menschen bestehen zusätzlich Konflikte bezüglich ihrer Elternhäuser. Die

Eltern befinden sich oft in einem Zielkonflikt zwischen der Notwendigkeit, die Kinder auf die

hiesige Gesellschaft vorzubereiten und der Angst vor Entfremdung vom Elternhaus,

besonders durch ein anderes Wertesystem. Gleichzeitig erleben auch die Kinder meist einen

starken Konflikt. Zum einen wollen sie sich, entwicklungspsychologisch bedingt, von den

Eltern abgrenzen, zum anderen erfahren sie sich außerhalb der elterlichen Kultur nicht

akzeptiert, sondern ausgegrenzt.

Die kulturelle Vielfalt ist eine Bereicherung für die Arbeit auf dem Moabiter Kinderhof.

Leitgedanke unseres Konzeptes ist, dass kulturelle Unterschiede nicht per se von Bedeutung

sind, sondern dass es auf die Herausbildung von kultureller Kompetenz ankommt. Ein

vorrangiges Ziel des Konzeptes ist es demzufolge, die Kinder dazu zu befähigen, ihre

kulturellen Kompetenzen zu entwickeln und wahrzunehmen. Unser lebensumfeldbezogener

und stadtteilorientierter Arbeitsansatz berücksichtigt die verschiedenen sozialen, familiären

und individuellen Hintergründe der Kinder und Jugendlichen. Ziel ist es, trotz der

verschiedenen Identitäten innerhalb der Zielgruppe Gemeinsamkeiten zu entwickeln. Dies

geschieht über die Identifikation innerhalb der Prozesse in der offenen Arbeit und in der

Projektarbeit bei gleichzeitiger Akzeptanz von individuellen Unterschiedlichkeiten und dem

Aushalten von Gegensätzen und Ambivalenzen.

 

Geschlechterbewusste Pädagogik

In unserer pädagogischen Arbeit lassen wir uns von dem Ziel einer tatsächlichen

Gleichstellung von Frauen und Männern leiten. Die Gesellschaft ist in vielen Bereichen und

in vielen ihrer Subkulturen noch weit von diesem Ziel entfernt. Diese Tatsache wird von

Kindern und Jugendlichen häufig nicht wahrgenommen bzw. sogar geleugnet. Unser Ziel ist

es, das Prinzip der Gleichberechtigung von Männern und Frauen, d.h. Jungen und Mädchen

als Grundeinstellung zu vermitteln. Das betrifft zum einen das situative Alltagshandeln der

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Sichtweisen und Haltungen den Kindern gegenüber

geschlechtsbewusst ausrichten und auf geschlechterbezogene und geschlechtstypische

Dominanzen und Geschlechterkonflikte angemessen reagieren. Zum anderen betrifft es die

eigene geschlechterrelevante „Vorbildhaltung“ seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

z.B. im Umgang untereinander.

Aufgabe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es, Mädchen und Jungen direkt und indirekt

durch ihr gesamtes pädagogisches Handeln zu ermutigen, gleiche Chancen einzufordern.

Ziel der ganzheitlich orientierten pädagogischen Arbeit ist es, Mädchen und Jungen dabei zu

unterstützen, auch in Bezug auf die Geschlechterrolle selbstbewusst ihre persönliche

Identität zu entwickeln.

In vielen Familien mit Migrationshintergrund herrscht noch ein sehr traditionelles

Rollenverständnis vor. Aber auch unabhängig vom kulturellen Hintergrund haben sich

stereotype Vorstellungen von den Geschlechterrollen als Haupthindernis für eine

tatsächliche Gleichstellung erwiesen. Das interkulturell zusammengesetzte Team der

Erzieherinnen und Erzieher auf dem Moabiter Kinderhof versucht alternative

Rollenverteilungen aufzuzeigen und differenzierte Sichtweisen zu eröffnen.

Die Geschlechterthematik und geschlechtsbezogene Auswirkungen des gesamten

professionellen Handelns werden im Team in Anwendung des Qualitätshandbuches der

Berliner Jugendarbeit verhandelt und analysiert. Bei der Personalauswahl wird auf die

Geschlechterkompetenz geachtet.

Ausgehend von unserem Anspruch beiden Geschlechtern gerecht zu werden, halten wir es

für notwendig sowohl Mädchen als auch Jungen spezifische pädagogische Aufmerksamkeit

zuzuwenden:

Mädchenarbeit ist die geschlechtsbewusste Arbeit von Frauen für Mädchen und junge

Frauen und ihre Belange. Im Verständnis von Mädchenarbeit verbinden sich pädagogische

mit gesellschaftspolitischen Zielsetzungen. Mädchenarbeit will weibliche Identität stärken und

Selbstbewusstsein fördern, aber auch zum Abbau geschlechtsspezifischer

Benachteiligungen von Mädchen in allen Gesellschaftsbereichen beitragen. Sie schafft

geschlechtshomogene Frei- und Schutzräume für Mädchen, in denen sie gesellschaftliche

Rollenzuweisungen reflektieren, frei von Zuschreibungen ihre Qualitäten und Kompetenzen

entdecken und eigene Entwürfe von Weiblichkeit entwickeln können.

Jungenarbeit ist die geschlechtsbewusste pädagogische Arbeit von Männern mit Jungen.

Der Ausgangspunkt ist, Jungen als geschlechtliche Wesen mit spezifischen Erfahrungen und

 Lebenslagen anzuerkennen und Junge-Sein nicht zu neutralisieren, indem es mit Mensch-

Sein gleichgesetzt wird. Gesellschaftliche Männlichkeitskonstruktionen sollen aufgedeckt und

reflektiert werden. Jungenarbeit entwickelt Verständnis für geschlechtstypische Stärken und

Schwächen von Jungen und setzt sich mit ihren Problemen auseinander: mit denen, die sie

haben und mit denen, die sie machen.

Methodisch bedeutet dies, dass wir Mädchen und Jungen ermöglichen und sie dabei

unterstützen, eigene „Räume“ (Bereiche, Ecke, Bauwagen), die ihnen zeitlich begrenzt oder

ständig zur Verfügung stehen, zu nutzen und zu gestalten. Diese Räume bieten die

Möglichkeit intensiver, geschützter Selbsterfahrung und dem Kennenlernen der eigenen

Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bedürfnisse. Wir gehen davon aus, dass sich durch diese

Erfahrungen die Selbstkompetenz der Beteiligten auch in geschlechtsheterogenen

Zusammenhängen steigert. Besonderer Ausdruck wird dem Anliegen, Mädchen und Jungen

eigene Freiräume zu schaffen, durch die regelmäßige Durchführung von Mädchen und

Jungentagen verliehen.

Die jeweiligen Angebote werden in einem dialogischen Aushandlungsprozess zwischen

Mitarbeiterinnen und den Mädchen bzw. Mitarbeitern und den Jungen festgelegt.

Dabei werden möglichst Angebote vorgeschlagen, die einseitigen Geschlechterrollenzuschreibungen

entgegenwirken. Mädchen werden für Bereiche motiviert, die eher den

Jungen zugeschrieben werden und umgekehrt (z. B. werden den Mädchen Erfahrungen in

„nichttypischen“ Kontexten wie Handwerk oder Fußball ermöglicht und den Jungen ebenso

z.B. im Bereich der Hauswirtschaft). Zu diesem Zweck werden auch Kooperationen mit

anderen Einrichtungen durchgeführt.

 

Ökologische Bildung: ein Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung

Auf dem Moabiter Kinder-Hof bieten wir die Gelegenheit, alltäglich ökologische Bildung zu

vermitteln. Gerade in den Innenstadtbezirken ist es besonders wichtig, dass der

ökologischen Bildung der Schulausflugs- oder Wochenendausflugscharakter genommen

wird. Durch Alltags- und Handlungsbezug wird ein hoher Lernerfolg und auch die

tatsächliche Umsetzung für sinnvoll erachteter Handlungsänderungen wahrscheinlicher. Die

direkte Begegnung mit tierischem und pflanzlichem Leben legt den Grundstein für das

Verständnis für ökologische Zusammenhänge. Im Gartenbereich werden Pflanzen gezogen,

die als Kaninchenfutter verwendet werden. Die Bewässerung des Gartens erfolgt mit

gesammeltem Regenwasser. Manche Produkte, wie z.B. Kartoffeln, Kräuter oder Früchte

werden von den Kindern selbst zur Zubereitung von Speisen verwendet und gegessen. Die

Herkunft der Nahrungsmittel wird sinnlich erlebbar und ist in jeder Phase zu durchschauen.

Oberstes Ziel der ökologischen Bildung ist es, die Kompetenzen zu fördern, die benötigt

werden, um die komplexen Zusammenhänge zwischen der ökologischen, ökonomischen und

sozialen Dimension nachhaltiger Entwicklung nachzuvollziehen und an Lösungen für heutige

und künftige Probleme mitzuarbeiten. Dazu gehört auch, eigene Bedürfnisse und Lebensstile

zu reflektieren und die Tragweite des eigenen Handelns in Bezug auf die Ziele nachhaltiger

Entwicklung abschätzen zu können, um sich je nach Situation bewusst für - oder aber auch

gegen nachhaltiges Handeln entscheiden zu können.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Moabiter Kinder-Hofes leiten die Kinder bei der

Pflege der Pflanzen und der Tiere an und machen Regeln und Grenzen deutlich. Bei der

Anschaffung der Tiere muss darauf geachtet werden, dass eine artgerechte Haltung möglich

ist, d.h. die Voraussetzungen dafür müssen vorher geschaffen werden. Überlegungen dazu

werden zusammen mit den Kindern angestellt. Der Umgang mit den Tieren soll, vorwiegend

zum Schutz der Tiere, unter Anleitung geschehen. Dennoch sind gerade Tiere unverzichtbar

für die Kommunikation zwischen den Kindern, denn hier müssen sie Rücksichtnahme üben,

und sie lernen Handlungsfolgen abzuschätzen. Dabei kontrollieren sie sich auch gegenseitig,

da Einzelnen und Gruppen Verantwortung und Arbeit übertragen wird. Sie lernen, Tiere

artgerecht zu halten, Eigenheiten der Tiere zu respektieren und zu achten. Sie werden

sensibilisiert für die Belange anderer Menschen und Lebewesen und entwickeln über den

Umgang mit Tieren in der Gruppe soziale Kompetenz und Selbstkompetenz.

Kontinuierliche Qualifizierung

Der Träger sichert die inhaltliche Begleitung und Entwicklung des Projekts und sorgt für eine

beständige Qualifizierung der Mitarbeiter/innen, indem er Mittel für insgesamt 6 Tage

Fortbildung pro Jahr und Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter bereitstellt. Mindestens eine

Fortbildung pro Jahr ist verpflichtend für die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen. Bei der

Auswahl der Fortbildungen wird ein möglichst breites Spektrum an Angeboten und Methoden

aus der Sport-, Spiel-, Erlebnis- und Umweltpädagogik und aus den kreativen Disziplinen

sowie aus relevanten rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialarbeiterischen Bereichen

berücksichtigt.

Die Weiterentwicklung fachlicher Ressourcen umfasst außerdem die Arbeit mit dem

Handbuch zum Qualitätsmanagement der Berliner Jugendfreizeitstätten, Teilnahme an Fach-

Arbeitsgemeinschaften (AG Jugendarbeit/ Jugendsozialarbeit, AG Mädchen und junge

Frauen, Runder Tisch Jungenarbeit) Fachberatung durch Beratungseinrichtungen und die

kollegiale Beratung im Team.

15. September 2010

 

© Stadtteilgruppe Moabit e.V.
Bei Fragen und Unklarheiten wenden Sie sich bitte an: [moabiter.kinderhof@berlin.de].
Stand: 18. Februar 2011.